Zuerst mal ein bisschen was zur Entstehung des Ganzen

Der Feldberger Jugendverein e.V. wurde am 1.11.1992 gegründet. Dies wurde notwendig, um unserer Initiative eine rechtlich legale Grundlage für das weitere Arbeiten zu schaffen.

Zur Vorgeschichte ist zu sagen, das sich im Sommer 1990 die Jugendlichen von Feldberg trafen, da sie aufgrund der nach der Wende weggebrochenen vielen Freizeitmöglichkeiten, für sich selbst eine Heimstätte suchten. Die Jugendlichen, die sich jetzt für diese Sache engagierten, kannten noch das breite Spektrum der Angebote im außerschulischen Bereich aus der DDR. Lediglich auf dem sportlichem Sektor wurden Aktivitäten durch den neu gegründeten Feldberger Sportverein aufrechterhalten bzw. neu geschaffen.

In kultureller Hinsicht jedoch – und gerade da war ein sehr starkes Interesse bei den Jugendlichen vorhanden – gab es für unsere Zielgruppe nichts mehr.
Im selben Jahr wurden noch Kontakte zu Bürgermeister und den Stadtvertretern gesucht, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Uns wurde angeboten, das Gebäude der ehemaligen Bibliothek zu nutzen. Wir zogen dort ein und schafften uns unseren Jugendclub „Sugar Beach“.

Rechtlicher Träger war in dieser Zeit die Stadt Feldberg, die auch sämtliche anfallenden Betriebskosten übernahm. Die Koordination der Zusammenarbeit zwischen den Jugendlichen und der Stadt sowie die anfallenden Verwaltungsarbeiten übernahm der zuständige Sachbearbeiter für Jugend und Soziales bei der Stadtverwaltung. Das funktionierte durch dessen starkes Engagement für die Jugendlichen sehr gut. Die Jugendlichen waren relativ unabhängig bei Unternehmungen im Jugendclub, kamen aber mit gewissen Verantwortlichkeiten gar nicht in Berührung.

Natürlich gab es auch viele Probleme bei der Integration eines Jugendclubs mitten in einer Stadt, wie z.B. Lärmbelästigungen, vermeintliche Verunreinigungen, Vorurteile zwischen jungen und älteren Menschen, Interessenkonflikte zwischen „Ruhesuchenden“ und „Partygängern“ usw.. Die Stadt war bei Problemen und Verstößen der Jugendlichen immer in Handlungszwängen, da Sie in der schwierigen Lage war, zwischen dem Erfordernis der Jugendarbeit und dem Ordnungs- und Sicherheitsbedürfnis der Anwohner abwägen zu müssen.

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1992 gab es ein Treffen zwischen der Stadt und Jugendvertretern. Die Vertreter der Stadt schlugen dabei vor, für den Jugendclub einen eigenen Verein zu gründen, der dann als freier Träger fungieren sollte. Die Gründung des Feldberger Jugendverein e.V. erfolgte am 1.11.1992.

Aufgrund der bestehenden Probleme sahen wir uns bereits zu dieser Zeit nach einem neuen Domizil um. In diesem Zusammenhang gab es z.B. sogar eine Hausbesetzung des ehemaligen Hengstenstall auf dem Amtswerder (dieser war früher einmal Jugendclub). Dieser Versuch scheiterte zwar, allerdings begann man nun aber auch seitens der Stadtvertreter und einzelner Personen der Stadtverwaltung mit der Suche.

Obwohl uns keine neue Örtlichkeit in Aussicht gestellt werden konnte, wurde der Jugendclub „Sugar Beach“ seitens der Stadt ohne Ankündigung und Einwirkungsmöglichkeiten unsererseits zum 1.1.93 geschlossen.

Es folgte ein halbes Jahr, das geprägt war von der Suche nach einer Lösung bzw. nach neuen Räumlichkeiten für die Jugendlichen. In dieser Zeit gab es verschiedenste Maßnahmen, die von den Jugendlichen selbst initiiert wurden, z.B. das weitere illegale „Behausen“ des alten Clubs oder die Nutzung eines kleinen Bistros im Mecklenburger Hof.
Diese Notlösungen brachten abermals viele Probleme und allen war klar, das dies keine Alternative war, zumal die Situation auch etwas die Reihen der Jugendlichen spaltete.
Zum Sommer tat sich dann eine neue Möglichkeit im auszubauenden Sport- und Jugendhaus auf dem Amtswerder auf. Das Haus dort konnte kurz nach der Wende nicht weiter für den Wasserskiverein ausgebaut werden und nun überlegte man seitens der Stadt und den potentiellen Nutzern wie ein Ausbau dieses Hauses erfolgen könnte. Die Vorteile für einen Einzug des Jugendclubs dort lagen auf der Hand: Abgelegenheit zum Stadtzentrum, keine unmittelbaren Nachbarn und auch die Größe entsprach dem was wir uns vorstellten. Nach einigen Gesprächen sollten sich nur zwei Nutzer herausstellen: der Wasserskiverein im Erdgeschoss und der Jugendverein im Dachgeschoss des Gebäudes. Zunächst standen jedoch keine finanziellen Mittel zur Fertigstellung des noch unausgebauten Dachgeschosses zur Verfügung. Damit war erst mal die aufgrund der verschiedenen Interessenlagen erforderliche räumliche Trennung der Vereine nicht möglich. Dennoch zogen wir in das Gebäude ein und nutzten zusammen mit dem Wasserskiverein die Räumlichkeiten im Erdgeschoss.

Im Sommer 1993 gab es ein sehr gut besuchtes Eröffnungskonzert. Da wir auf dem kulturellen Gebiet schwerpunktmäßig arbeiten wollten, fanden von nun an regelmäßig Konzerte statt, allerdings in einem sehr provisorischen Ambiente, da wir keinen Einfluss auf die Innengestaltung der Erdgeschossräume hatten.
Finanziell ergab sich zum Ende des Jahres 1992 ebenfalls eine große Veränderung. Durch unser Engagement als linksorientierte, alternative Jugendgruppe und den damit verbundenen Übergriffen von der rechten Szene wurden wir in das Bundesförderprogramm AgAG (Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt) aufgenommen.

AgAG sollte zunächst 3 Jahre laufen (und wurde dann noch mal mit gekürztem Budget um 2 Jahre bis Ende 1997 verlängert), so dass die finanzielle Lage für diese Zeit für den Verein gesichert war. Weiterhin hatten wir den Ausbau des Dachgeschosses fest im Auge, um endlich keine Übergangslösungen mehr zu nutzen. Zudem gab es mit dem Wasserskiverein durch die unterschiedlichen Nutzungen der gemeinsamen Räumlichkeiten viel Ärger und Probleme (wieder Lärm, Sauberkeit und Ordnung). Im AgAG - Programm waren keine Investitionskosten enthalten und so mussten wir uns um andere Geldquellen bemühen.

Nach vielen, vor allem auch bürokratischen Hürden, kam Ende 1995 die Zusage vom Land Mecklenburg-Vorpommern über eine Förderung von 130.000 DM für den Ausbau des Daches. Zusätzlich bekamen wir noch Geld von der Stadt und Spendern. Den Rest wollten wir in Eigenleistung erbringen. Denn durch diese Besonderheit im Gegensatz zu vielen anderen Jugendclubs sollten die Jugendlichen gezielt von Anfang an eine starke Bindung zu den neuen Räumlichkeiten entwickeln.

Am 10.05.1997 hatten wir es geschafft, der neue Jugendclub (JURi) konnte feierlich eröffnet werden. Wir zogen in einen Jugendclub, der gerade für die jugendkulturelle Arbeit sehr gute Bedingungen bot. Unser Clubkino, dass wir seit dem 1.April 1994 betreiben, hatte nun auch eine feste Spielstätte, so dass nicht wie bisher bei jeder Vorstellung (1-3 mal pro Woche) die Kinotechnik auf- und wieder abgebaut werden braucht.

Personell stellte sich die weitere Entwicklung wie folgt dar: Zum 1. Dezember 1996 konnte bei uns eine zusätzliche Stelle durch eine vom Arbeitsamt geförderte Strukturanpassungsmaßnahme geschaffen werden. Diese lief bis zum 31.12.1997. Dies war natürlich gerade während der Bauphase und beim Start im neuen Club eine enorme Unterstützung für uns.

Die hauptamtliche Stelle (durch AgAG finanziert bis Ende 1995, danach durch eine Mischfinanzierung durch Arbeitsamt - LKZ und AgAG - Mitteln), lief zum 31.12.1997 aus, da auch AgAG beendet wurde.

Nach einem halben Jahr, in dem wir uns mit ehrenamtlichen Engagement (teilweise durch Honorare bezahlt) über Wasser hielten, wurde abermals eine Strukturanpassungsmaßnahme vom Arbeitsamt bewilligt. Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit wurde diese Stelle dann wieder mit Thomas Blumrich besetzt.

Vom 29.09.1999 bis zum 02.01.2000 setzte die IPSE mbH einen Mitarbeiter für Jugendarbeit im Bereich Feldberg ein, der seine Arbeit zum Grossteil vom Feldberger Jugendclub aus absolvierte. Danach änderte sich bis zum heutigen Tag nichts mehr an der personellen Situation im Jugendclub.

Nach vielen Übergangslösungen hatten wir seit Mai 1997 eine endgültige räumliche Lösung gefunden und mit der personellen Ausstattung waren die Grundvoraussetzungen für eine kontinuierliche Jugendarbeit gegeben.
(QUELLE: "Mein Arbeitsplatz – Entwicklung von einer selbstverwalteten Jugendgruppe zur betreuenden Jugendarbeit unter besonderer Betrachtung des Ehrenamtes"
Hausarbeit von Thomas Blumrich im Rahmen des Grundlagenkurs Jugendsozialarbeit der Landesinitiative "Jugend- und Schulsozialarbeit")